„Wir philosophieren nicht, um zu erfahren, was ethische Werthaftigkeit sei, sondern um wertvolle Menschen zu werden.“

(Aristoteles, Nikomachische Ethik)

Aristoteles bringt damit ein Prinzip zum Ausdruck, das man heute griffiger mit „learning by doing“ bezeichnet.

Dabei sollen als Ziele nicht nur die Bestimmung und Abgrenzung von Begriffen im Zentrum stehen, sondern im Idealfall eine Veränderung oder Bestärkung der eigenen Standpunkte. Die Schülerinnen sollen im Unterricht durch Diskussion, Arbeit mir philosophischen Texten und die kritische Auseinandersetzung mit den Ansichten bekannter Autoren von der Antike bis heute nachdenken/philosophieren lernen. Diese Kompetenz ist dabei in den meisten Fällen von größerer Bedeutung als das reine Faktenwissen.

In der Beschäftigung mit Moralprinzipien und der Deutung philosophischer Positionen soll das Fach Ethik die Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach moralischen Maßstäben für das eigene Leben unterstützen. Dabei ist der Ethikunterricht Pflichtfach für Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Das muss sich aber nicht notwendigerweise auf Angehörige von Religionen ohne eigenen Religionsunterricht beziehen. Gerade in den höheren Jahrgangsstufen können die breite Basis der Themen, die spezifische Ausrichtung auf philosophische Inhalte und nicht zuletzt die Diskussion mit Schülern anderer kultureller Herkunft auch Jugendliche ansprechen, die sonst den regulären Religionsunterricht besuchen.

Der Ethikunterricht stützt sich bei der Entwicklung von Fragen und Antworten zum guten Leben auf einen fächerverbindenden Ansatz. Erkenntnisse der Psychologie, der Theologie, aber auch der Biologie, der Geographie oder der Physik fließen mit ein. Außerdem spielen die persönlichen Erfahrungen der Schüler eine große Rolle. So werden ethisch bedeutsame Fragestellungen direkt auf das konkrete Lebensumfeld bezogen. Wahrnehmung, Entscheidung und Handlung stellen dabei die drei grundlegenden Schritte ethischer Betrachtungsweisen dar.

Der Lehrplan sieht für jede Jahrgangsstufe drei bis fünf übergeordnete Themenbereiche vor, die vom Umfang her im Unterricht aber nicht unbedingt gleich gewichtet sein müssen. Die Einzelbereiche können allgemeine ethische Fragestellungen ebenso in den Blick nehmen wie Aspekte der Erkenntnistheorie, die Weltreligionen oder die so genannten Bereichsethiken.

Jgst. Themen
5.1 Wahrnehmung und Wirklichkeit
5.2 Bedürfnisse und Regeln
5.3 Freiheit, Entscheiden und Handeln
5.4 Spielen und Lernen
6.1 Gemeinschaftsfeld Familie
6.2 Ich und die anderen
6.3 Judentum und Christentum
7.1 Erwachsen werden
7.2 Konflikte und ihre Regelung
7.3 Menschenbild und Ethik des Islam
7.4 Feste und ihre Bedeutung für die Gemeinschaft
8.1 Wege zur Sinnfindung im Alltag
8.2 Verantwortung für sich und andere
8.3 Ethisch argumentieren
8.4 Umweltethik
9.1 Gewissen und Handeln
9.2 Religiöse Sinndeutungen des Lebens
9.3 Familie, Geschlechterrolle, Partnerschaft
9.4 Arbeit
9.5 Friedensethik
10.1 Philosophisch-ethische Deutungen des Menschen
10.2 Religionsphilosophie und vergleichende Betrachtung der Weltreligionen
10.3 Ethik des wirtschaftlichen Handelns
10.4 Medizinethik
11.1 Theorie und Praxis des Handelns
11.2 Freiheit und Determination
12.1 Recht und Gerechtigkeit
12.2 Sinnorientierung und Lebensgestaltung